Herzlich willkommen in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Minimal Invasive Chirurgie

In unserer Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Minimal Invasive Chirurgie (Bauchchirurgie) behandeln wir gut- und bösartige Erkrankungen sowie entzündliche Erkrankungen des Magen-Darmtraktes, der Weichteile und der Körperoberfläche. Des Weiteren gehört zum Spektrum der Abteilung die Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen, Leisten- und Bauchwandbrüchen, Enddarmerkrankungen und Krampfadern. Die Behandlung chronischer Wunden gehört genauso zu unserem Leistungsspektrum wie das Einbringen von Gefäßzugängen zur Ernährung oder Medikamentengabe. Wann immer möglich, geben wir minimal invasiven Operationstechniken den Vorzug, da hierdurch eine schnelle Erholung und geringere Schmerzen nach einem Eingriff zu erwarten sind. Dies gilt selbstverständlich auch im Rahmen von Notfalloperationen.

Durch die enge Zusammenarbeit mit der Klinik für Innere Medizin erfolgt die umfassende Diagnostik und Planung der Therapie für die Patietin bzw. den Patienten aus einer Hand und in enger Abstimmung der beiden Abteilungen.

Bei bösartigen Erkrankungen erfolgt die Besprechung der erhobenen Befunde bei jeder Patientin und jedem Patienten in einem aus Spezialist*innen zusammengesetzten Gremium (Tumorkonferenz), so dass jederzeit die optimale und leitliniengerechte Therapie garantiert werden kann.

  • Bauchspiegelung
  • Ultraschall
  • Enddarmspiegelung
  • Röntgen der Magen-Darm-Passage mit Kontrastmittel
  • Gallengangsdarstellung
  • Computertomografie (Spiral-CT)
  • Kernspintomografie (MRT)

Sämtliche Operationen, die minimal invasiv in unserer Abteilung durchgeführt werden können, werden bei entsprechenden Befunden selbstverständlich auch in offener (konventioneller) Operationstechnik durchgeführt.

Zusätzlich werden folgende Operationen vorwiegend in konventioneller Operationstechnik durchgeführt:

  • Schilddrüsenoperationen mit Neuromonitoring des Stimmbandnerven
  • Luftröhrenschnitt bei Langzeitbeatmungen
  • Leisten- und Bauchwandbrüche mit/ohne Netz einschließlich der Rekonstruktion ausgedehnter Narbenbrüche der Bauchwand
  • Entfernung von Tochtergeschwülsten der Leber
  • Notfalloperationen bei Magen- oder Darmdurchbruch, Darmverschluss
  • Notfalloperationen bei Organverletzungen/Blutungen im Rahmen von Unfallereignissen
  • Verwachsungslösungen bei Beschwerden und Darmverschluss
  • Blinddarmentfernung einschließlich Divertikelabtragung
  • Leisten- und Bauchwandbrüche mit Netzstabilisierung
  • Gallenblasenentfernung einschließlich Darstellung der Gallenwege
  • Dickdarmteilentfernung bei gut- und bösartigen Erkrankungen
  • Mastdarmteilentfernungen bei bösartigen Erkrankungen
  • Mastdarmfixation bei Prolaps
  • Dünndarmteilentfernungen
  • Magenoperation bei Sodbrennen und Zwerchfellbrüchen (Refluxerkrankung)
  • Notfalloperation bei Magen- oder Zwölffingerdarmdurchbruch
  • Anlage künstlicher Darrmausgang
  • Probenentnahme oder Zystenentfernung an der Leber
  • Dickdarmteilresektion
  • totale-/subtotale Colonektomie
  • Umgehungsanastomosen
  • Stoma- und Fistelanlage
  • Resektionen bei gut- und bösartigen Erkrankungen
  • Divertikelabtragung
  • Verwachsungslösungen
  • Umgehungsanastomosen
  • Gallenblasenentfernungen
  • Operationen an Gallenwegen, z.B. Verschluss durch Gallensteine
  • biliodigestive Anastomosierung
  • Leberpunktion, Probenentnahme an der Leber
  • Entfernung Tochtergeschwülste der Leber
  • totale Magenentfernung einschließlich Lymphknotenentfernung bei bösartigem Magentumor
  • subtotale Magenentfernung bei gut- und bösartigen Magenerkrankungen
  • Operationen bei großen Zwerchfellbrüchen mit und ohne Netzeinlage
  • Mastdarmresektion und -amputation
  • Abszesse, Fisteln und Prolaps des Darmausgangs
  • Hämorrhoidalleiden auch mittels Stapler-Hämorrhoidektomie nach Longo
  • rekonstruierende OP/Anus-praeter-Rückverlagerung
  • Entfernung großer Mastdarmpolypen
  • Eröffnung/Entfernung entzündeter Haarbalgzysten
  • Bauchfellentzündung oder Abszess im Bauchraum
  • Darmverschluss jeder Ursache
  • Bauchtraumen
  • Organerhaltende Operationen bei Verletzungen an Milz und Leber
  • Amputationen, Exartikulationen an Extremitäten
  • Krampfaderchirurgie
  • Weichteiltumoren und Abszesse
  • VAC-Therapie bei chronischen Wunden
  • Venenportanlage
  • Behandlung von Erkrankungen der Nieren, Harnblase und männlichen Geschlechtsorganen
  • Therapie von Steinleiden und Vergrößerungen der Prostata
  • Behandlung von Tumoren (Nieren, Harnblase, Prostata, Hoden, Penis)

Informationen zu einzelnen Krankheitsbildern

Die Gallenblase stellt das Depot für die in der Leber gebildete Gallenflüssigkeit dar. Gallenflüssigkeit benötigt der Körper, um die Fette in unserer Nahrung verdauen und resorbieren zu können. Neben Wasser besteht die Gallenflüssigkeit aus zahlreichen weiteren Stoffen wie Cholesterin, Gallensäuren, Gallenfarbstoff (Bilirubin) und weiteren Stoffen. Kommt es hier zu einem Missverhältnis dieser Stoffe, so kommt es zur Ausbildung von kleinen Kristallen dieser Stoffe, die sich im Verlauf von Monaten und Jahren zu Gallensteinen aneinanderlagern. Diese Steine können dann den Abfluß der Gallenflüssigkeit aus der Gallenblase in den Zwölffingerdarm verhindern, was zu den typischen krampfartigen rechtsseitigen Oberbauchbeschwerden führt.


Risikofaktoren für die Entstehung von Gallensteinen sind:

  • weibliches Geschlecht (Frauen sind häufiger betroffen als Männer)
  • Alter über 40 Jahre
  • Geburt mehrerer Kinder
  • Übergewicht
  • Veranlagung (gehäuftes familiäres Auftreten)
  • Zuckerkrankheit
  • starke Gewichtsabnahme in kurzer Zeit
  • chronisch entzündliche Darmerkrankung (Morbus Crohn)
  • Einnahme von Hormonpräparaten (Antibabypille)
  • Fettreiche Ernährung


Symptome, die durch Gallensteine verursacht werden können:

  • Unverträglichkeit von fettreicher Nahrung
  • krampfartige rechtsseitige Oberbauchschmerzen ca. 30 Minuten nach Nahrungsaufnahme („Gallenkolik")
  • Gallenblasenentzündung mit starken rechtsseitigen Oberbauchschmerzen, Berührungsempfindlichkeit der Bauchdecke im rechten Oberbauch und Fieber, ggf. Schüttelfrost
  • bei Abgang von Gallenblasensteinen in den Hauptgallengang: dunkelbrauner Urin und heller Stuhl
  • gürtelförmiger, zur linken Flanke ziehender Oberbauchschmerz bei Entzündung der Bauchspeicheldrüse durch Verschluss des Abflusses des Gallengangs in den Darm


Die Diagnose eines Gallensteinleidens sowie der Entzündung der Gallenblase ist meist einfach durch eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes sowie eine Blutuntersuchung zu stellen. Weiterführende diagnostische Maßnahmen wie Computertomografie sind meist nicht erforderlich.

Werden Gallenblasensteine im Rahmen einer Routineuntersuchung festgestellt, muss bei Beschwerdefreiheit keine Therapie eingeleitet oder durchgeführt werden. Dies ist erst dann erforderlich, wenn die Gallensteine Schmerzen, Unverträglichkeit von fettreicher Nahrung oder eine Entzündung der Gallenblase verursachen oder den Hauptgallengang verlegen.
 

Therapie des Gallensteinleidens

Die Therapie des symptomatischen Gallenblasensteinleidens besteht in der operativen Entfernung der Gallenblase mit den darin befindlichen Steinen. Diese Operation wird in unserer Klinik zu ca. 95% in minimalinvasiver Operationstechnik über 4 kleine Schnitte von 0,5 – 1 cm durchgeführt. Der stationäre Aufenthalt beträgt 3 Tage.

Da wir die Operationswunden mit resorbierbaren Fäden verschließen, entfällt der Fadenzug nach der Operation. Duschen ist ab dem 2. Tag nach der Operation möglich.

Eine Ernährungsumstellung oder Diät ist nach der Entfernung der Gallenblase nicht erforderlich. Bereits ab dem 1. Tag nach der Operation können Sie wieder normal essen.

Bei Vorliegen einer akuten Entzündung der Gallenblase sollte die operative Entfernung möglichst innerhalb 24 Stunden durchgeführt werden. Der weitere Ablauf nach der Operation unterscheidet sich nicht von der Behandlung nach Entfernung der Gallenblase bei Gallenkoliken.

Bei Verschluss des Hauptgallengangs durch Gallensteine muss vor der notwendigen Operation durch den Endoskopiker (Internist mit spezieller Qualifikation für Magen-Darm-Erkrankungen) durch eine Art Magenspiegelung der Gallengang von den Steinen befreit werden. Danach erfolgt dann innerhalb von 2 bis 3 Tagen die operative Entfernung der Gallenblase.

Nach der operativen Entfernung der Gallenblase besteht in der Regel eine Arbeitsunfähigkeit von 2 Wochen. Danach können Sie sich wieder in vollem Umfang belasten.

entzündete gallenblase
elektive gallenblasenentfernung
mrt cholangiographie

Der Leistenbruch ist ein Weichteilbruch, der in den Leisten auftritt. In diesem Bereich besteht eine besondere Schwachstelle der Bauchdecken durch einen mehr oder weniger großen, muskelfreien Bereich.

Männer sind deutlich häufiger von einem Leistenbruch betroffen als Frauen, da beim Mann der Samenstrang durch den sogenannten Leistenkanal zieht und somit zusätzlich eine Schwächung des Gebietes erzeugt. Bei der Frau zieht ein kleines Gewebeband durch den Leistenkanal, das die Gebärmutter in ihrer Lage stabilisiert.

Durch die Lücke im Bereich der Leiste wölbt sich das Bauchfell aus dem Bauchinnenraum nach außen vor (Bruchsack), was zu einer tast- oder gar sichtbaren Vorwölbung im Bereich der Leiste führt. In diesen Bruchsack können Gewebeanteile des Bauchraums, z.B. Fettgewebe, Darmschlingen oder Harnblase, nach außen dringen.


Die Ursachen der Entstehung eines Leistenbruchs sind sehr unterschiedlich:

  • angeborene Lücke im Leistenbereich
  • erworben, durch chronisch erhöhten Bauchinnendruck, z.B. chronische Verstopfung, Prostatavergrößerung, Schwangerschaft, chronischer Husten, starkes Übergewicht etc.
  • Bindegewebsschwäche

Die Symptome sind in erster Linie eine neu aufgetretene Schwellung im Bereich der Leiste, die sich teils im Liegen wieder zurückbildet. Viele Patient*innen mit einem Leistenbruch klagen über ein Druckgefühl, brennende oder ziehende Beschwerden in der Leiste oder Schmerzen bei körperlicher Anstrengung. Einige Patient*innen bemerken die neu aufgetretene Vorwölbung in der Leiste zufällig bei der Körperpflege und haben keinerlei Beschwerden.

In seltenen Fällen kann es zu einem heftigen, stechenden und andauernden Schmerz in der Leiste kommen. Ist dies mit einer prallen Vorwölbung vergesellschaftet, die sich nicht wegdrücken lässt, muss von einer Einklemmung von Gewebe in der Bruchlücke ausgegangen werden. Dies stellt eine Notfallsituation dar. Die Patientin bzw. der Patient sollte sich umgehend in die nächstgelegene Klinik zur Beurteilung begeben.

Bei der Therapie eines Leistenbruches muss zwischen Männern und Frauen unterschieden werden.

Bei Frauen besteht prinzipiell die Notwendigkeit zur operativen Versorgung, da bei Frauen der Bruch auch unterhalb des Leistenbandes hervortreten kann und dadurch das Risiko einer Einklemmung deutlich erhöht ist.

Bei Männern besteht die Notwenigkeit für eine operative Versorgung bei auftretenden Beschwerden in der Leiste in Ruhe oder unter Belastung und bei einer Größenzunahme des Leistenbruchs. Handelt es sich um einen kleinen Bruch ohne Beschwerden, so ist eine operative Therapie nicht zwingend erforderlich. Eine Beurteilung durch einen in der Hernienchirurgie erfahrenen Chirurgen oder eine in der Hernienchirurgie erfahrene Chirurgin ist jedoch sinnvoll.

Bei den Operationsmethoden unterscheidet man zwischen Verfahren mit und ohne Netzverstärkung der Leiste sowie zwischen konventionellen und minimal invasiven Operationsmethoden. Welche Operationsmethode für Sie die richtige ist, muss von klinischem Befund, der beruflichen Tätigkeit, Nebenerkrankungen, vorausgegangenen Bauchoperationen und den Lebensumständen abhängig gemacht werden und bedarf der individuellen Beratung in unserer Sprechstunde.


Die in unserer Klinik angebotenen Techniken werden Ihnen im Folgenden vorgestellt und erläutert.

Bei der konventionellen (durch einen Schnitt in der Leiste) Operation ohne Netzverstärkung nach Shouldice erfolgt ein ca. 6-7cm langer Schnitt in der Leiste. Danach wird der Bruchsack aufgesucht, der aus dem umliegenden Gewebe herauspräpariert wird. Der Bruchinhalt wird in den Bauchraum zurückverlagert. Danach wird eine dünne Gewebeschicht in der Leiste gespalten und anschließend durch Doppelung des Gewebes wieder vernäht. Hierdurch kommt es im weiteren Verlauf zu einer narbigen Stabilisierung der Leistenregion, und die zuvor erweiterte Bruchlücke wird eingeengt, so dass sich kein Gewebe aus dem Bauchraum mehr nach außen vorwölben kann.

Diese Operationsmethode kann häufig als ambulante Operation durchgeführt werden, und die Patientin bzw. der Patient kann am frühen Nachmittag nach der Operation wieder nach Hause.

Diese Operationsmethode wird überwiegend bei jugendlichen Patient*innen durchgeführt.

Bei der konventionellen Operation mit Netzverstärkung nach Lichtenstein erfolgt ebenfalls ein ca. 6-7cm langer Schnitt in der Leiste. Danach Freilegen des Bruchsackes und Zurückverlagerung des Bruchinhaltes in den Bauchraum. Anschließend wird die geschwächte dünne Gewebeschicht in der Leiste mit einem Kunststoffnetz abgedeckt und die Bruchlücke durch das Netz eingeengt, so dass kein Gewebe aus dem Bauchraum mehr vorfallen kann. Im Verlauf von einigen Wochen kommt es dann zum Einheilen des Netzes in das umliegende Gewebe, was zu einer Stabilisierung der Leiste führt.

Nach einer solchen Operation darf sich die Patientin bzw. der Patient normal bewegen. Duschen ist ab dem 2. Tag nach der Operation erlaubt. Baden, Schwimmen oder Saunieren ist nach komplett abgeheilter Wunde (ca. 12 Tage) möglich. Der Wundverschluss erfolgt in unserer Klinik mit einem resorbierbaren Faden, der nicht entfernt werden muss.

Eine körperliche Schonung (kein Heben schwerer Lasten > 10kg) muss für 2 bis 3 Wochen vermieden werden. In Abhängigkeit der beruflichen Tätigkeit besteht dann eine entsprechend lange Arbeitsunfähigkeit.

Bei der laparoskopischen Operationstechnik wird immer ein Kunststoffnetz zur Stabilisierung der Leiste eingesetzt. Die Operation erfolgt über drei kleine Schnitte von 5mm bis 10mm. Diese werden am Ende der Operation mit einer resorbierbaren Naht verschlossen und müssen somit nicht entfernt werden.

Patient*innen, die mit dieser Methode operativ versorgt werden, sind in der Regel eine Nacht in unserer Klinik und können am Tag nach der Operation nach Hause entlassen werden.

Die Mobilisation mit aufstehen und umherlaufen ist bereits am Operationstag möglich, eine zunehmende körperliche Belastung ist beschwerdeabhängig ebenfalls früh nach der Operation möglich. Die volle Belastbarkeit ist in der Regel nach einer Woche gegeben, entsprechend besteht die zu erwartende Arbeitsunfähigkeit in Abhängigkeit der Tätigkeit zwischen 1 und 2 Wochen.

Bei Beschwerden in der Leiste oder einer neu aufgetretenen Vorwölbung in der Leiste können Sie sich gerne in unserer Sprechstunde zur Beurteilung vorstellen. In Abhängigkeit der festgestellten Erkrankung werden wir dann gemeinsam mit Ihnen das weitere Vorgehen planen und Sie beraten.
 

Dokumentation einer laparoskopischen Leistenhernie

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Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ an der vorderen Halsseite und spielt als Hormondrüse eine zentrale Rolle bei zahlreichen Funktionen des Körpers.

Erkrankungen der Schilddrüse können sowohl rein strukturell sein (Knotenbildungen) mit erhaltener Hormonversorgung des Körpers, als auch funktionell (Unter- oder Überproduktion an Schilddrüsenhormonen), was zu Veränderungen von Körperfunktionen führen kann. Die häufigste Veränderung der Schilddrüse stellt die Knotenbildung dar. Hiervon sind ca. 30% der Bevölkerung betroffen. In höherem Lebensalter über 65 Jahren sogar bis 50% der Bevölkerung. Aber auch erbliche Veränderungen können zu Erkrankungen der Schilddrüse führen. Hier stellt sich dann zumeist eine Überproduktion an Schilddrüsenhormonen ein, die durch die körpereigenen Regelkreisläufe nicht mehr kontrolliert werden kann.

Krebserkrankungen der Schilddrüse sind erfreulicherweise selten und treten lediglich in ca. 1% der Patientinnen und Patienten mit Schilddrüsenknoten auf. Hieran muss insbesondere bei sogenannten kalten Knoten (Schilddrüsenknoten ohne Hormonproduktion) gedacht werden.

Entzündliche Veränderungen der Schilddrüse sind ebenfalls relativ selten und können verschiedene Ursachen haben. So gibt es Erkrankungen, bei denen der eigene Körper gegen Schilddrüsengewebe Antikörper bildet, die zu einer anhaltenden Entzündung der Schilddrüse führt (Morbus Basedow, Hashimoto Thyreoiditis – Autoimmunerkrankung)


Ursachen

Die häufigste Ursache für die Ausbildung von Schilddrüsenknoten stellt der Jodmangel dar. Obwohl die Versorgung mit Jod in der Bevölkerung deutlich verbessert wurde, ist eine durchgängig ausreichende Jodversorgung noch nicht erreicht. Jod stellt einen wesentlichen Bestandteil des von der Schilddrüse produzierten Hormons dar. Wenn dieser wichtige Baustein fehlt, kann nicht in ausreichender Menge Schilddrüsenhormon produziert werden, was übergeordnete Regelkreisläufe dazu veranlasst, die Schilddrüse zu vermehrter Hormonproduktion zu stimulieren. Durch diesen permanenten Reiz kommt es letztlich zur Knotenbildung in der Schilddrüse, ohne dass auf Dauer eine genügende Menge an Schilddrüsenhormonen produziert werden kann. Genetisch bedingte Erkrankungen können dazu führen, dass die übergeordneten Regelkreisläufe nicht mehr funktionieren und die Schilddrüse ungehemmt Schilddrüsenhormone produziert. Eine gewisse Zeit kann dies durch den Körper ausgeglichen werden, im Laufe der Zeit kommt es hier dann jedoch zu einer Überproduktion an Schilddrüsenhormonen und zur Ausbildung einer sogenannten Autonomie.

Bei den Autoimmunerkrankungen werden Antikörper gegen eigenes Körpergewebe unter anderem in der Schilddrüse gebildet. Dies kann, wie beim Morbus Basedow, zu einem anhaltenden Entzündungsprozess und zu einer Überproduktion an Schilddrüsenhormonen (Hyperthyreose) führen.


Krankheitssymptome

Trotz krankhafter Veränderungen der Schilddrüse können Symptome, die auf die Erkrankung hinweisen, lange Zeit fehlen. Auftretende Symptome sind meist unspezifisch, weisen also nicht unmittelbar auf die Veränderungen der Schilddrüse hin.

Symptome sind davon abhängig, ob eine normale, erhöhte oder verminderte Stoffwechsellage der Schilddrüse vorliegt, oder ob es zu einer ein- oder beidseitigen Vergrößerung des Organs kommt.

Beispielhaft sind hier ein paar Symptome aufgezählt, wie sie bei Erkrankungen der Schilddrüse vorkommen können.

  • Ein- oder beidseitige Halsumfangsvermehrung („Halskette wird enger“)
     
  • Zeichen der Überfunktion:
    - Nervosität, Reizbarkeit
    - Haarausfall
    - Nagelbrüchigkeit
    - Durchfall
    - starkes Schwitzen
    - hoher Blutdruck, hohe Herzfrequenz
     
  • Zeichen der Unterfunktion:
    - Müdigkeit, erhöhtes Schlafbedürfnis
    - Kälteüberempfindlichkeit
    - Gewichtszunahme
    - Muskelschwäche
    - chronische Verstopfung
     

Diagnostik

  • körperliche Untersuchung mit Abtasten der vorderen Halsseite, Überprüfen der Schluckverschieblichkeit der Schilddrüse, Knotenbildungen, Suche nach vergrößerten Lymphknoten
  • Blutuntersuchung mit Bestimmung der Schilddrüsenhormonwerte (T3, T4, TSH), je nach Verdachtsdiagnose Calcitonin und spezielle Antikörper bei Verdacht auf Autoimmunerkrankung
  • Ultraschalluntersuchung zur Bestimmung der Gesamtgröße der beiden Schilddrüsenhälften, Darstellung und Größenbestimmung eventueller Knoten, Differenzierung zwischen Knoten und Zysten
  • Schilddrüsen-Szintigraphie sollte einmalig bei Schilddrüsenveränderungen durchgeführt werden, um funktionelle Veränderungen der Schilddrüse („fokale oder diffuse Autonomie“) darzustellen oder auszuschließen
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Abb. 1: Szinitigramm einer Schilddrüse mit überproduktiven Bezirken (Kreise) in den beiden Schilddrüsenhälften

 

Therapie

  • Prinzipiell unterscheidet man die medikamentöse Therapie, Strahlentherapie (Radiojod-Therapie) und die operative Therapie
  • Die optimale Therapieform richtet sich nach der Erkrankung und muss im Einzelfall mit der Patientin bzz. dem Patienten anhand vorliegender Untersuchungsbefunde ausführlich besprochen werden.
  • Für manche Erkrankungen kommen verschiedene Therapieformen in Frage, so dass hier neben den Untersuchungsbefunden auch patientenspezifische Risikofaktoren und Präferenzen des Patienten berücksichtigt werden müssen


Operative Therapie

Die operative Therapie ist bei folgenden Veränderungen der Schilddrüse als Therapieverfahren durchzuführen oder in Erwägung zu ziehen.

  • Verdacht auf bösartige Erkrankung der Schilddrüse
  • Lokale Beschwerden (Schluckstörungen, Heiserkeit, Druckgefühl, Räuspern, etc.) Vergrößerung und/oder Knotenbildung der Schilddrüse
  • durch Medikamente nicht befriedigend therapierbare Überfunktion
  • dystope Lage von Schilddrüsengewebe
  • unifokale Autonomie als Alternative zur Radiojodtherapie (schnell und definitiv) oder wenn Patientin bzw. Patient Radiojodtherapie ablehnt
  • Zysten mit Malignitätsverdacht
  • M. Basedow mit Schilddrüsenwachstum, Orbitopathie, Malignitätsverdacht, Nebenwirkungen oder Unverträglichkeit thyreostatischer Therapie, Ablehnung einer Radiojodtherapie, schwerer Schilddrüsenüberfunktion

Bei der häufigsten Erkrankung der Schilddrüse, der Knotenbildung, kann alternativ zur operativen Therapie eine Radiojodtherapie durchgeführt werden. Hier muss im Einzelfall gemeinsam mit der Patientin bzw. dem Patienten das optimale und gewünschte Therapieverfahren besprochen werden.


Operationsvorbereitung

Vor Durchführung einer operativen Therapie müssen einige Voruntersuchungen durchgeführt sowie die Operation und die Narkose besprochen werden. Hierzu bekommen Sie, sofern in unserer Sprechstunde gemeinsam mit Ihnen die operative Therapie beschlossen wurde, einen ambulanten Termin, an dem die Vorgespräche und Voruntersuchungen durchgeführt werden. Vor jeder Schilddrüsenoperation muss ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt die Stimmbandfunktion untersuchen. Zu dem Vorbereitungstermin bringen Sie das Untersuchungsergebnis in Form eines kurzen Befundes mit.


Operation

Am Tag der geplanten Operation nehmen wir Sie am Morgen stationär auf. Nach entsprechender Vorbereitung führen wir dann die Operation in Vollnarkose über einen Schnitt an der vorderen Halsseite durch.

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Abbildung 2: Darstellung der oberen Schilddrüsengefäße, die anschließend verschlossen und durchtrennt werden.

Während der Operation gilt es besonders, nach den beiden Stimmbandnerven zu schauen, diese darzustellen und während der Operation zu schonen. Hierzu führen wir prinzipiell bei jeder Schilddrüsenoperation ein sogenanntes Neuromonitoring der Stimmbandnerven vor und nach der Entfernung der erkrankten Schilddrüse durch. Somit können wir weitgehend sicherstellen, dass der Nerv eindeutig erkannt und somit im Verlauf der Operation geschont wird.

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Abbildung 3: Beispiel einer Nervenableitung der Stimmbandnerven während einer Schilddrüsenoperation (Neuromonitoring)

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Abbildung 4: Neuromonitoring während einer Schilddrüsenoperation

Nach Entfernung des erkrankten Schilddrüsengewebes wird auf jede Halsseite eine kleine Drainage eingelegt, die am zweiten Tag nach der Operation entfernt wird. Die Haut wird mit einem in der Haut versenkten und sich selbst auflösenden Faden verschlossen, so dass ein Fadenzug nach Wundheilung nicht erforderlich ist. In der Regel können die Patient*innen am 3. Tag nach der Operation nach Hause entlassen werden. In Abhängigkeit des noch vorhandenen Schilddrüsengewebes ist nach durchgeführter Operation eine medikamentöse Therapie mit Schilddrüsenhormonen in Kombination mit Jodid erforderlich, um eine erneute Knotenbildung der Schilddrüse

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Abbildung 5: Operationsnarbe nach Schilddrüsenoperation ca. 5 Wochen nach der Operation

Wissenswertes

Montag:
13.00 - 15.00 Uhr
Dr. Arnd Müller

Mittwoch:
09.00 - 11.00 Uhr
Dr. Arnd Müller

Telefonische Terminvereinbarung unter +49 3 39 71 - 64 44 34.

  • 24 Monate Basisbefugnis Chirurgie
  • 36 Monate Facharzt/Fachärztin für Viszeralchirurgie
  • 6 Monate Zusatzbezeichnung Spezielle Viszeralchirurgie

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Dr. med. Arnd Müller KMG Klinikum Kyritz

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Dipl.-Med. Frank Hollenbach KMG Klinikum Kyritz

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Carlos Andres Ospina Parga KMG Klinikum Kyritz

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