Die Klinik für Geriatrie und die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am KMG Klinikum Sondershausen haben ihre Expertise für eine spezialisierte Versorgung älterer Patient*innen in Nordthüringen gebündelt. Das neue Zentrum ist eines von drei weiteren im Freistaat Thüringen.
Sondershausen. Am Dienstag, dem 10. März 2026, wurde das neu gegründete Alterstraumazentrum am KMG Klinikum Sondershausen erfolgreich als Alterstraumazentrum der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) zertifiziert. Mit der Gründung des Zentrums und mit der erfolgreichen Zertifizierung erfüllt das Klinikum die definierten Qualitätsstandards der DGU und stärkt die Versorgung älterer Menschen mit Unfallverletzungen in Nordthüringen.
Mit der Gründung reagiert das Klinikum auf die demografische Entwicklung: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Knochenbrüche und Komplikationen nach Verletzungen. Gleichzeitig ist der Wunsch groß, auch im hohen Alter aktiv und selbstbestimmt zu leben. Größere Verletzungen im höheren Lebensalter führen allerdings häufig zu gravierenden Einschränkungen der Mobilität und Selbstständigkeit, die spezialisierte Zentren behandeln können.
Interdisziplinäre Behandlung als Schlüssel
Ein wesentliches Merkmal des Alterstraumazentrums ist die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche. Unfallchirurgie, Geriatrie, Pflege sowie Logopädie, Physiotherapie und Ergotherapie arbeiten während aller Behandlungsphasen entlang klar definierter Prozesse Hand in Hand. Bereits in der Zentralen Notaufnahme wird die geriatrische Expertise in die Behandlung eingebunden. Regelmäßige Teambesprechungen stellen eine abgestimmte Behandlung von der Aufnahme über die Operation bis zur Rehabilitation sicher.
Ziel der interdisziplinären Behandlung ist es, Komplikationen zu reduzieren, die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Patient*innen zu erhalten und eine zeitnahe Rückkehr in die
vertraute Umgebung und zur Familie zu ermöglichen. Das Zentrum setzt daher auf frühzeitige Mobilisation, aktivierende Pflege, individuelle Therapiekonzepte und die Berücksichtigung von Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus, Herz-Kreislauferkrankungen, Demenz oder Osteoporose.
Dr. Oliver Altenkirch, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am KMG Klinikum Sondershausen, erklärt: „Betagte Menschen mit schweren Verletzungen verdienen eine und bedürfen einer besonderen Zuwendung. Oft bestehen Begleiterkrankungen und komplexe Medikationspläne. Umso wichtiger sind eine zeitnahe, individuelle Behandlung,
eine verständliche Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten sowie den Angehörigen und individuelle schmerztherapeutische Konzepte für eine frühe Mobilisation. Deshalb sind unsere Altersmedizinerinnen von Anfang an in die Behandlung eingebunden.“
Dr. Ina Sillenberg, Chefärztin der Klinik für Geriatrie am KMG Klinikum Sondershausen, ergänzt: „Die Versorgung älterer, multimorbider Patientinnen und Patienten stellt in Medizin, Pflege und Therapie besondere Anforderungen. Operative Eingriffe müssen auf höchstem Niveau und zugleich so schonend wie möglich durchgeführt werden, während Begleiterkrankungen parallel berücksichtigt und behandelt werden. Gerade nach größeren Operationen sind eine einfühlsame Betreuung und eine intensive Nachbehandlung entscheidend. Dafür braucht es spezielles Fachwissen, klar strukturierte Abläufe und gut eingespielte Prozesse. Genau diese hohe Qualität konnten wir mit unserem neuen Alterstraumazentrum nachweisen.“
Antwort auf die demografische Entwicklung
Franziska Becker, Geschäftsführerin am KMG Klinikum Sondershausen: „Gerade im ländlichen Raum ist es unsere Aufgabe, die medizinische Versorgung konsequent an die demografische Entwicklung anzupassen. Mit dem Alterstraumazentrum bieten wir gezielt ein spezialisiertes Versorgungsangebot, das künftig weiter an Bedeutung gewinnen wird, denn unsere Gesellschaft wird immer älter und der Anspruch der Patientinnen und Patienten, bis ins hohe Alter aktiv am Leben teilzunehmen, steigt. Wir stärken damit eine qualitativ hochwertige, wohnortnahe Versorgung für die Menschen in ganz Nordthüringen.“
Die Zertifizierung ist ein Qualitätsnachweis
Das Alterstraumazentrum ist nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie zertifiziert und steht für höchste Behandlungsqualität und Sicherheit. Die Zertifizierung bestätigt die Einhaltung definierter personeller, struktureller und prozessualer Qualitätsstandards. Studien belegen, dass durch diese Versorgungsform unter anderem die Mobilisation am ersten postoperativen Tag verbessert, intensivmedizinische Aufenthalte verkürzt und Komplikationen reduziert werden können.
Warum ist es wichtig, für ältere Menschen eine auf sie spezialisierte alterstraumatologische Versorgung vorzuhalten?
Ältere Menschen sind in der medizinischen Versorgung weiterhin benachteiligt: Bis zu 50 Prozent der älteren Patient*innen verlieren nach Frakturen ihre Selbstständigkeit und die Gefahr der Bettlägerigkeit steigt stark an. Allerdings existieren für die Behandlung hochbetagter und multimorbider Patient*innen nach wie vor zu wenige spezifische medizinische Leitlinien. Gleichzeitig werden ältere Menschen in der Forschung häufig nicht ausreichend berücksichtigt, sodass wichtige Erkenntnisse oft ohne ihre angemessene Beteiligung entstehen.
Weitere Informationen sind auf der Webseite kmg-kliniken.de unter dem Alterstraumazentrum am KMG Klinikum Sondershausen abrufbar.
Über die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie und die Zertifizierung
Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) engagiert sich für die Weiterentwicklung und Qualitätssicherung in der Unfallchirurgie. Das Prüf- und Zertifizierungsverfahren Alterstraumazentrum DGU wird seit 2014 von einer unabhängigen Organisation durchgeführt und hat das Ziel, die Qualität der Versorgung älterer Unfallpatient*innen nachhaltig zu verbessern. Kliniken, die an diesem Verfahren teilnehmen, richten ihre Abläufe und Strukturen an einheitlichen, klar definierten Qualitätsstandards aus. Im Mittelpunkt stehen wissenschaftlich fundierte Behandlungspfade sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Unfallchirurgie und Geriatrie. Gleichzeitig trägt das Verfahren dazu bei, die Versorgungsforschung zu stärken, indem Behandlungsdaten systematisch im Alterstraumaregister DGU erfasst und ausgewertet werden.