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Eine der erfahrensten kardiologischen Kliniken des Landes Brandenburg zieht von Wittstock nach Pritzwalk: Herzinfarktbehandlung mit Zertifikat für Nordbrandenburg, den Süden von Mecklenburg-Vorpommern und den Norden von Sachsen-Anhalt.

| KMG Klinikum Nordbrandenburg - Standort Pritzwalk

Die KMG Kliniken haben 2002 mit der Klinik für Innere Medizin I (Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin) in Wittstock unter der chefärztlichen Leitung von Dr. Volker Hitz ein hochspezialisiertes Angebot für die Akutversorgung von Herzinfarktpatient*innen geschaffen, das weit überregional von Bedeutung ist und sich zu einer der leistungsstärksten Kliniken dieser Art im gesamten Land Brandenburg entwickelt hat.

So wurde die Klinik bereits 2014 als eine der ersten im Land von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und Herz-Kreislaufforschung (DGK) als Chest Pain Unit zertifiziert. Die Zertifizierung ist an hohe Qualitätsanforderungen gebunden, die seither in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Lange war sie bis zum Berliner Stadtrand (Hennigsdorf) im Norden Brandenburgs die einzige zertifizierte Chest Pain Unit.

Vorgaben der Krankenhausreform führen dazu, dass die Klinik zum Ende des Jahres 2026 nicht mehr in Wittstock betrieben werden darf. Das hochspezialisierte Angebot bleibt jedoch für die gesamte Region erhalten und zieht an das KMG Klinikum Nordbrandenburg Standort Pritzwalk um.

Für viele Menschen in der Region ist der Umzug mit Fragen verbunden. Franz Christian Meier, Pressesprecher der KMG Kliniken, hat das zum Anlass genommen, um mit dem Chefarzt der kardiologischen Klinik und Ärztlichen Direktor des Klinikstandortes, Dr.med. Volker Hitz, ein Gespräch über die Zukunft der Herzmedizin in der Region zu führen.

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FCM: Sie sind seit 2002 Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I mit dem Schwerpunkt Kardiologie in Wittstock und haben die Abteilung zu diesem unverzichtbaren Anlaufpunkt gerade für Patientinnen und Patienten mit Herzinfarkt in der Region gemacht. Zunächst einmal: Was ist das Besondere an der Klinik?

Dr. Hitz: Seit 23 Jahren sind wir 24/7 für die Notfallversorgung im Einsatz – und das, ohne uns ein einziges Mal abgemeldet zu haben. Das heißt, wir sind hier in der Region ein stabiler Partner, auf den sich die Menschen verlassen. Vorweg möchte ich bemerken: Diese Zuverlässigkeit bleibt ebenso erhalten wie die hohe Qualität der Versorgung, daran wird der Umzug nichts ändern. Ich habe hier ein hoch spezialisiertes Team aufgebaut, welches Fachärztinnen und -ärzte sowie für den Bereich speziell ausgebildete Pflegefachkräfte umfasst. Dieses Team ist erfahren und weiß genau, was auch in komplizierten und lebensbedrohlichen Situationen zu tun ist. Zur auch technischen Sicherstellung im Havarierfall haben wir zwei Herzkatheterlabore. Mit dem Umzug nach Pritzwalk wird eines der beiden sogar durch ein neues ersetzt. Darauf freuen wir uns. Zusammengefasst gesagt, zeichnen wir uns durch die spezielle apparative Ausstattung und durch die erforderliche Anzahl hochqualifizierten Personals aus, so dass wir die für die Chest Pain Unit nötige 24-Stunden-Bereitschaft weiterhin zuverlässig gewährleisten können.

FCM: Sie haben Weiterbildungsbefugnisse für Innere Medizin, Kardiologie und Internistische Intensivmedizin und bilden langjährig ärztlichen Nachwuchs aus. Worum geht es da?

Dr. Hitz: Interventionelle Herzinfarktversorgung rund um die Uhr erfordert versierte und erfahrene, speziell und langjährig ausgebildete Kardiologen und den Backup von Intensivmedizinern, die sich mit der speziellen Nachbehandlung dieser Patienten routiniert auskennen. Hierzu ist eine Weiterbildung in spezieller internistischer Intensivmedizin notwendig, in der ich zahlreiche Kolleginnen und Kollegen ausgebildet habe. Ich besitze auch eine Zusatzqualifikation für Interventionelle Kardiologie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Um unter Umständen nachts eine Herzkatheterbehandlung zum Beispiel bei einem reanimierten Patienten durchzuführen, wenn nicht das gesamte Ärzteteam im Haus ist, braucht man viel Erfahrung und starke Nerven. Das würde einen unerfahrenen Kollegen schlicht überfordern. Aufgrund der langjährigen überregionalen Versorgung hat unser Ärzteteam durch hohe Fallzahlen trotz ländlich dünnbesiedeltem Brandenburg eine überdurchschnittliche Expertise. Diese Expertise und Erfahrung nehmen wir mit nach Pritzwalk. Und diese Expertise bleibt für die gesamte Region verfügbar.

FCM: Das führt mich zu der Frage, ob der neue Krankenhausstandort für die kardiologische Versorgung der Menschen in und um Wittstock im Ernstfall zu weit entfernt ist. Wie schätzen Sie das ein?

Dr. Hitz: Die Überlebenschance bei einem Herzinfarkt ändert sich durch die Tatsache, dass der neue Standort 20 Kilometer weiter entfernt ist, nicht wesentlich. Das ist die gute Nachricht. Ich möchte dies indes nicht beschönigen: Der Herzinfarkt kann eine mitunter unmittelbar zum Tode führende Erkrankung sein und schränkt auch beim Überlebenden die fernere Lebenserwartung eventuell ein. Das ist auch jetzt in Wittstock so und unabhängig vom Umzug nach Pritzwalk. Herzinfarkt ist jedoch nicht gleich Herzinfarkt. In den meisten Fällen ändert es nichts, dass der Rettungswagen nun für einige Menschen einen etwas längeren Anfahrtsweg hat. Entscheidend ist, dass umgehend ein Notarzt gerufen wird. Dieser leitet wichtige erste Schritte zur Erstbehandlung und Stabilisierung ein. Die meiste Zeit wird häufig dadurch verloren, dass der Rettungsdienst erst spät alarmiert wird, da das allgemein bekannte Leitsymptom eines vernichtenden Brustschmerzes nur selten in voller Ausprägung auftritt, dafür andere, weniger bekannte Symptome auftreten können*. Mein dringender Aufruf ist es, nicht zu zögern, den Notruf unter der 112 anzurufen, wenn ein Verdacht auf Herzinfarkt besteht. An der Zeit, bis notärztliche Hilfe eintrifft, ändert sich durch den Umzug nichts, weil die Rettungsstellen an den gleichen Orten bleiben und von dort aus zum Einsatzort fahren. Deshalb bleiben wir auch in Pritzwalk für die Region Wittstock bis nach Mecklenburg-Vorpommern relevant, genauso wie für den Norden von Sachsen-Anhalt. 

FCM: Patient*innen eigenständig unabhängig vom Notruf ins Klinikum zu fahren, ist also nicht ratsam?

Dr. Hitz: Entscheidend ist eine gute Erstversorgung durch die Notarztsysteme vor Ort und eine frühe Kommunikation mit der Chest Pain Unit, die dann zeitnah Vorbereitungen für den Notfall treffen kann. Hierfür gibt es bei uns seit über 20 Jahren ein sogenanntes „Korofon“, welches die Direktverbindung vom Notarzt zum Spezialisten herstellt. Ähnliche organisatorische Systeme existieren seit Längerem beispielsweise in Dänemark, Norwegen und den Niederlanden mit langen, vor allem hubschraubergebundenen Transporten in Zentren mit Expertise, ohne dass in diesen Ländern die Sterblichkeitsquote an Herzinfarkten erhöht wäre. Der größte Zeitverlust entsteht nach übereinstimmender wissenschaftlicher Meinung und auch nach unserer langjährigen Erfahrung durch patientenbezogene Verzögerungen der Diagnostik und damit der Einleitung einer evtl. lebensrettenden Therapie**.

FCM: Herr Dr. Hitz, vielen Dank für das Gespräch.

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* Was sind mögliche Symptome bei Herzinfarkt?

Symptome können sehr unspezifisch sein. Deshalb ist diese Liste nur ein Leitfaden zur Selbsteinschätzung. Es können andere Symptome auftreten, die hier nicht aufgeführt sind. Gerade bei Frauen sind die Symptome häufig weniger spezifisch, deshalb ist die Auflistung geschlechtsspezifisch geordnet.

Frauen

  • Schmerzen im Oberkörper – Gefühl von Enge, Druck oder Brennen mit Ausstrahlung in Nacken, Kiefer, Oberbauch oder auch in den linken Arm, Schmerzen zwischen den Schulterblättern
  • Plötzlicher Erschöpfungszustand – Schwindel, Kraftlosigkeit, auffallend starke Müdigkeit
  • Atemnot oder Kurzatmigkeit
  • Übelkeit – gegebenenfalls mit Erbrechen
  • Schweißausbrüche
  • Angstzustände

Achtung!

  • Bei Frauen kommt es häufig nicht zu dem bei Männern häufig auftretenden typischen starken Brustschmerzen,
  • Wegen Übelkeit und Bauchschmerz besteht Verwechslungsgefahr mit Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts.

Männer

  • Heftige Brustschmerzen, verbunden mit Druck oder Engegefühl – strahlen häufig in linken Arm, Kiefer, Hals oder Rücken aus
  • Atemnot oder Kurzatmigkeit
  • Übelkeit – gegebenenfalls mit Erbrechen
  • kalte Schweißausbrüche
  • Angstzustände

Achtung!

  • Leichte Symptome können auch schon einige Tage vor dem Herzinfarkt auftreten.
  • Stummer Herzinfarkt ohne heftigen Schmerz: stattdessen Symptome wie unerwartete Müdigkeit, Schwindel, Druck im Oberbauch

 

** Wie verhalte ich mich, bis notärztliche Hilfe eintrifft?
  • Oberkörper hochlagern
  • für ausreichend Frischluftzufuhr durch Belüftung sorgen
  • bei Bewusstlosigkeit Herzdruckmassage ausführen

Für den Umzug der kardiologischen Klinik von Wittstock nach Pritzwalk sind Um- und Anbaumaßnahmen erforderlich.
Auf der Webseite kmg-kliniken.de/akutkliniken/kmg-klinikum-nordbrandenburg/baufortschritt wird der Baufortschritt in regelmäßigen Abständen aktualisiert.