Zum Welttag der Patientensicherheit 2026 sprechen wir mit Dr. Melanie Scholz über Diabetes, eine sichere Behandlung und darüber, was Patient*innen selbst tun können, um trotz der chronischen Erkrankung möglichst gesund und selbstbestimmt zu leben. Dr. Scholz ist Fachärztin für Innere Medizin mit der Zusatzbezeichnung Diabetologie und behandelt Patient*innen in der KMG Praxis für Diabetologie in Luckenwalde.
Der Welttag der Patientensicherheit 2026 steht unter dem Motto „Sichere Versorgung chronisch erkrankter Menschen“. Warum passt dieses Motto besonders gut zum Thema Diabetes?
Diabetes gehört zu den chronischen Erkrankungen, die von vielen Patientinnen und Patienten zunächst als große Herausforderung wahrgenommen werden. Die Therapie begleitet Betroffene dauerhaft und erfordert ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Eine konsequente Therapie, regelmäßige Kontrollen und ein gutes Wissen über die Erkrankung sind entscheidend. So lässt sich mit Diabetes heute in vielen Fällen ein nahezu normales Leben führen und das Risiko für Folgeerkrankungen deutlich reduzieren.
Warum sind Wissen, Eigenverantwortung und eine kontinuierliche Betreuung bei Diabetes so wichtig?
Eine gute Wissensvermittlung ist entscheidend, damit Patientinnen und Patienten möglichst selbstständig mit ihrer Erkrankung umgehen und auch in Ausnahmesituationen richtig reagieren können. Wir können in der Praxis beraten, begleiten, motivieren und gemeinsam die passende Therapie entwickeln – umgesetzt wird sie jedoch jeden Tag von den Patientinnen und Patienten selbst. Regelmäßige Kontrollen helfen dabei, den Therapieverlauf zu überprüfen und bei Problemen oder einer Entgleisung der Blutzuckerwerte frühzeitig gegenzusteuern.
Welche typischen Warnzeichen sollten Betroffene ernst nehmen und ärztlich abklären lassen?
Ein unerklärlicher Gewichtsverlust, ungewöhnliche Müdigkeit und Abgeschlagenheit, ein ausgeprägtes Durstgefühl sowie häufiges Wasserlassen können Anzeichen für erhöhte Blutzuckerwerte sein. Solche Beschwerden sollten ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden.
Welche Folgen kann ein schlecht eingestellter Diabetes haben und warum sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen so wichtig?
Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte können Blutgefäße und Nerven schädigen. Mögliche Folgen sind unter anderem Erkrankungen der Nieren und Augen, Schädigungen des Herz-Kreislauf-Systems sowie Nervenschäden. Viele dieser Folgeerkrankungen entwickeln sich zunächst unbemerkt. Regelmäßige Untersuchungen etwa von Augen, Nieren und Füßen helfen deshalb, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig eine geeignete Behandlung einzuleiten.
Was können Patientinnen und Patienten selbst tun, um ihren Diabetes möglichst sicher und gut zu behandeln?
Ein möglichst umfassendes Wissen über die eigene Erkrankung ist eine wichtige Voraussetzung für ein gutes Selbstmanagement. Wer versteht, wie sich Ernährung, Bewegung, Medikamente oder Insulin auf den Blutzucker auswirken, kann im Alltag sicherer reagieren. Ebenso wichtig ist es, den Diabetes als Teil des eigenen Lebens anzunehmen und die notwendige Therapie konsequent umzusetzen.
Wie individuell wird eine Diabetes-Therapie heute abgestimmt und welche Bedeutung haben Ernährung, Bewegung und Gewichtsmanagement?
Die Therapie wird heute so individuell wie möglich gestaltet. Dabei berücksichtigen wir unter anderem die Form des Diabetes, das Alter, den Alltag und die persönlichen Bedürfnisse sowie Begleiterkrankungen und möglicherweise bereits vorhandene Folgekomplikationen. Besonders beim Typ-2-Diabetes spielen Ernährung, regelmäßige Bewegung und – wenn erforderlich – eine Gewichtsreduktion eine zentrale Rolle. Sie bilden eine wichtige Grundlage der Behandlung, unabhängig davon, ob zusätzlich Medikamente notwendig sind.
Welche Rolle spielen moderne Technologien wie Glukosesensoren oder Insulinpumpen für die Sicherheit?
Moderne Technologien können den Alltag mit Diabetes erheblich erleichtern und zusätzliche Sicherheit bieten. Eine besonders große Rolle spielen sie beim Typ-1-Diabetes. Glukosesensoren erfassen die Glukosewerte kontinuierlich und können bei zu hohen oder zu niedrigen Werten Alarm geben. Moderne Systeme verbinden Sensor und Insulinpumpe miteinander. Sie können die Insulinabgabe automatisch anpassen und beispielsweise bei drohenden Unterzuckerungen reduzieren oder unterbrechen.
Viele Menschen haben Angst, dass Diabetes ihr Leben stark einschränkt. Ist diese Sorge heute noch berechtigt?
Natürlich erfordert Diabetes eine gewisse Rücksichtnahme auf die Erkrankung. Werte müssen kontrolliert und die Therapie muss in den Alltag integriert werden. Dank moderner Medikamente, Insuline und technischer Hilfsmittel sind die Einschränkungen heute jedoch deutlich geringer als früher. Menschen mit Diabetes können bei einer gut eingestellten Therapie ein aktives und weitgehend normales Leben führen. Auch für Menschen mit insulinpflichtigem Diabetes sind heute nahezu alle Berufe möglich.
Wann sollte man bei auffälligen Blutzuckerwerten oder Beschwerden unbedingt ärztliche Hilfe suchen?
Sehr hohe Blutzuckerwerte können zu akuten gesundheitlichen Problemen führen, beispielsweise zu einem erheblichen Flüssigkeitsverlust und einer starken Austrocknung. Bei deutlich erhöhten Werten in Verbindung mit Beschwerden wie starkem Durst, häufigem Wasserlassen, ausgeprägter Schwäche, Übelkeit oder Bewusstseinsveränderungen sollte zeitnah ärztliche Hilfe gesucht werden. Auch dauerhaft erhöhte Werte sollten nicht ignoriert werden, da sie langfristig unter anderem Nieren, Augen, Herz-Kreislauf-System und Nerven schädigen können.
Was möchten Sie Menschen mit Diabetes und ihren Angehörigen zum Welttag der Patientensicherheit mit auf den Weg geben?
„Wissen ist Macht“ – dieser Satz trifft auf Diabetes besonders gut zu. Je besser Patientinnen und Patienten ihre Erkrankung verstehen, desto sicherer können sie im Alltag damit umgehen. Wer weiß, wie Ernährung, Bewegung, Medikamente oder Insulin den Blutzucker beeinflussen, kann Veränderungen besser einschätzen und entsprechend reagieren. Dieses Wissen schafft Sicherheit und Selbstständigkeit. Diabetes verlangt Aufmerksamkeit – aber mit Wissen, einer passenden Therapie und regelmäßiger Betreuung lässt sich heute sehr gut damit leben.
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Diabetologische Betreuung in Luckenwalde
Dr. Melanie Scholz ist Fachärztin für Innere Medizin mit der Zusatzbezeichnung Diabetologie und behandelt Patient*innen mit Diabetes in der KMG Praxis für Diabetologie in Luckenwalde. Die Praxis bietet eine individuelle diabetologische Betreuung und begleitet Menschen mit Diabetes bei der Behandlung und im Umgang mit ihrer Erkrankung.